Impuls

Bergtour

Auf einer Bergtour im vergangenen Jahr stand ich kurz vor dem Ziel vor einer Bergnase, die nur auf einem drahtseilgesicherten Steig zu überwinden war. Das Schild „nur für Geübte“ an der Abzweigung 300 Meter tiefer hatten wir gesehen, doch meine Bergkameraden zerstreuten meine Bedenken. Die Hütte in Sichtweite stand ich nun da. Zurück ging auf keinen Fall, ich musste da rüber und diese 40 Meter am Abgrund lang überwinden. Ein Bergkamerad vor mir, einer hinter mir, hangelte ich mich, fest die Kette umklammert, über dieses Teilstück.

Geht es uns im Leben nicht öfters so? Wir nehmen uns etwas vor und merken kurz vor dem Ziel, dass wir es nicht schaffen, auf jeden Fall nicht alleine. Das kann beim Sportler oder der Sportlerin ein zu ambitionierter Trainingsplan sein, oder der Vereinsvorstand hat sich zu viel vorgenommen und merkt, dass die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen kommen und die Arbeit nicht (mehr) zu stemmen ist. In diesen Situationen ist die oben genannte Felsnase im Weg und scheint unüberwindbar.

Es gibt eine schöne Geschichte von Margaret Fishback Powers, viele werden sie kennen. Sie träumte, dass sie mit ihrem Herrn am Meer entlang ging und als sie sich umdrehte, sah sie, dass im Sand manchmal zwei und manchmal nur eine Spur zu sehen war. Auf ihre Frage, wo der Herr denn in diesen Zeiten ihres Lebens, die besonders schwer waren, gewesen sei, antwortete dieser: „Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."

Ein schönes Bild, finde ich! Wenn es doch nur so einfach wäre, werden Sie sagen. Wer trägt uns? Den überambitionierten Sportler oder den überabeiteten und gefrusteten Vereinsvorstand?

Bei meiner Bergtour waren es verständnisvolle Kameraden, die meine Ängste ernst nahmen und mich mit Ruhe und Geduld über den Abgrund brachten. Beim Sportler kann dies ein verständnisvoller Trainer sein, der die Erwartungen runter schraubt und dem Sportler trotzdem das Gefühl gibt, eine tolle Leistung zu erbringen. Im Verein finden sich vielleicht Menschen, die bereit sind eine zeitlich begrenzte Aufgabe zu übernehmen. Vielleicht muss sich die Vereinsführung aber auch durchringen manches zu lassen, das viele Jahre Bestand hatte.

Das kann für manche Verantwortlichen einem Abgrund gleich kommen, zumal es immer diejenigen gibt, bei denen „früher alles besser war“. In dieser Situation hilft das Zurückschauen aber nicht weiter. Es braucht Mut über den Abgrund zu gehen und Vertrauen. Vertrauen darauf, dass jemand mit mir geht und Vertrauen darauf, dass es auf der anderen Seite einfacher wird. So wie bei meiner Bergtour. Runter von der Hütte ging es nämlich ganz bequem abwärts auf breitem Weg.

- Mechthild Foldenauer, Landesarbeitskreis Kirche und Sport

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